Situation von Frauen in Bolivien

Traditionelles Rollenbild

Viel zu oft wird noch im traditionellen Rollenbild verharrt, welches für Frauen die Erziehung und Versorgung der Kinder, Haushaltsarbeit und bei Geldknappheit einen Nebenjob vorsieht. Der Mann ist in diesem Rollenbild das unangefochtene Oberhaupt der Familie und muss daher durchwegs respektvoll behandelt werden, wobei im Gegenzug der Mann diesen Respekt nicht aufbringen muss.

Gewalt an Frauen

Ein nach wie vor sehr aktuelles Thema ist die Gewalt an Frauen. Demnach sind 7 von 10 Frauen Opfer von gewalttätigen Übergriffen, was die Zahl von mehr als 100.000 registrierten Fällen jährlich erklärt. 60% der Fälle sind Opfer von Gewalt in ihren eigenen vier Wänden und nur 0,04% dieser Fälle enden mit einem Urteil gegen den Täter. 2012 wurden 2.386 Vergewaltigungen registriert. Das entspricht 6 Vergewaltigungen pro Tag. Des Weiteren ereigneten sich in 2012 ca. 150 Frauenmorde.

Frauen in der Politik

Die Verfassung von 2009 besagt, dass 50% aller gewählten Ämter von Frauen besetzt sein müssen. In den 327 Gemeindebezirke sind zurzeit 43% der Bürgermeisterämter und Räte von Frauen besetzt. Für 96% ist es das erste öffentliche Amt, welches sie bekleiden dürfen. Im Parlament befinden sich zurzeit 25% Frauen, im Senat immerhin 47%. Ein interessantes Detail ist, dass Lidia Gueiler 1979 als erste Frau Präsidentin wurde. Der Hintergrund ist ein Militärputsch, nach dem sie provisorisch eingesetzt wurde. Bis heute wurde diese Ehre keiner zweiten Frau zugeteilt.

Frauen und Bildung

Die Einschulungsrate liegt bei Frauen bei ca. 95%. Somit stehen sie in diesem Bereich Männern um nichts nach. Anders präsentiert sich die Analphabetinnenrate, bei welcher die Benachteiligung der Frau sichtbar wird: Auf dem Land liegt der Analphabetismus bei Frauen bei bis zu 50%, in der Stadt bei ca. 20%.

Mutter-Kind-Schutz

Im Gesundheitsbereich gibt es Fortschritte hinsichtlich der Schwangerschaftsvorsorge. So ist die Zahl der begleiteten Geburten ansteigend. Die Maßnahmen in diesem Bereich dienen der Senkung der Sterblichkeitsraten von Säuglingen und Kleinkindern. Karenz wird den Müttern nach der Geburt für 12 Wochen gewährt. In diesem Zeitraum erhalten sie vom Staat 81 % ihres Einkommens.

Arbeit

Offiziell sind 64 % der Frauen in Bolivien arbeitstätig. Für dieselbe Arbeit beziehen Frauen allerdings ein geringeres Gehalt als Männer, da ihnen weniger Arbeitskraft zugesprochen wird.

 

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